Patrick Fischer (50) bricht sein Schweigen – Comeback bleibt offen
von belmedia Redaktion #Schweizweit Eishockey Magazine nachrichtenticker.ch National League Nationalmannschaft News Orte Regionen Schweiz Schweiz sportaktuell.ch swisshockey.ch Themen Ⳇ Verbreitung
Vier Monate nach seiner Freistellung als Schweizer Eishockey-Nationaltrainer spricht Patrick Fischer ausführlich über das turbulente Ende seiner Amtszeit. Der 50-Jährige übernimmt Verantwortung für seinen Fehler rund um ein gefälschtes Covid-Zertifikat, blickt aber gleichzeitig nach vorne. Ob er jemals wieder als Trainer an einer Bande stehen wird, lässt Fischer offen. Sicher ist dagegen: Mit einem neuen Projekt beginnt für ihn bereits das nächste Kapitel.
Mehr als zehn Jahre hatte Patrick Fischer das Schweizer Nationalteam geprägt. Ursprünglich sollte seine Amtszeit nach der Heim-WM 2026 enden und Jan Cadieux übernehmen. Doch dazu kam es nicht mehr. Am 15. April stellte Swiss Ice Hockey Fischer mit sofortiger Wirkung frei.
Auslöser war Fischers Eingeständnis, 2022 mit einem gefälschten Covid-Zertifikat an die Olympischen Winterspiele in Peking gereist zu sein. Die anschliessende öffentliche Debatte über Vertrauen und Integrität führte schliesslich zur vorzeitigen Trennung.
«Der Ursprungsfehler lag bei mir»
In seinen aktuellen Interviews macht Fischer deutlich, dass er die Verantwortung für die damalige Entscheidung übernimmt. Nach der Entlassung habe er zunächst Zeit gebraucht, um die Situation wirklich zu akzeptieren. Besonders schwierig sei für ihn gewesen, mitzuerleben, wie stark seine Familie und sein persönliches Umfeld unter der öffentlichen Diskussion litten.
Auch seine frühere Kritik am Schweizer Fernsehen beurteilt Fischer heute differenzierter. Entscheidend sei letztlich sein eigener Fehler gewesen. Eine juristische Auseinandersetzung mit SRF habe er nie angestrebt.
Eine prägende Ära im Schweizer Eishockey
Sportlich hinterlässt Fischer eine bedeutende Bilanz. Unter seiner Führung entwickelte sich die Schweiz zu einer Mannschaft, die sich dauerhaft mit den stärksten Eishockey-Nationen der Welt messen konnte. Die Entwicklung der Nati und ihre internationale Bedeutung wird auch im Belmedia-Hintergrundbericht über die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft und ihren Aufstieg in die Weltspitze ausführlich eingeordnet.
Während Fischers Amtszeit gewann die Schweiz unter anderem mehrere WM-Silbermedaillen und etablierte sich zunehmend in der erweiterten Weltspitze. Seine Arbeit war dabei nicht frei von Kritik, gleichzeitig prägte er eine Phase, in der die Erwartungen an die Nationalmannschaft deutlich gestiegen sind.
Neues Projekt statt sofortiger Rückkehr
Fischer nutzt die unfreiwillige Pause inzwischen für einen beruflichen Neustart. Gemeinsam mit ehemaligen Weggefährten und weiteren Partnern lanciert er das Projekt «Team Fischer». Dabei will er Erfahrungen aus dem Spitzensport an Menschen weitergeben, die mit Leistungsdruck, Überforderung oder persönlichen Blockaden umgehen müssen.
Das Angebot richtet sich ausdrücklich nicht nur an Sportlerinnen und Sportler. Auch Menschen aus Wirtschaft, Pflege oder Familienalltag sollen von den Erfahrungen und Methoden profitieren können. Im Herbst ist ein erster Veranstaltungstag im Leistungszentrum OYM vorgesehen.
Kommt Fischer zurück ins Eishockey?
Diese Frage beantwortet der frühere Nationaltrainer derzeit bewusst nicht abschliessend. Eine erneute Tätigkeit als Coach scheint für Fischer grundsätzlich möglich, ist aber keineswegs sicher. Auch andere Aufgaben innerhalb eines Clubs oder des Eishockeys könnten langfristig eine Option sein.
Damit muss das Kapitel Patrick Fischer im Schweizer Eishockey noch lange nicht beendet sein. Vorerst steht jedoch nicht die nächste Mannschaft im Mittelpunkt. Nach einem turbulenten Frühjahr versucht Fischer, seine Erfahrungen aus vielen Jahren im Spitzensport in eine neue Aufgabe einzubringen – und lässt offen, ob ihn sein Weg eines Tages wieder zurück an die Bande führt.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Titelbild: KI-Bild