Silvana Tirinzoni übernimmt Südkoreas Curling-Nationalteams

Silvana Tirinzoni beginnt nur wenige Monate nach ihrem Rücktritt eine neue Karriere. Die 47-jährige Zürcherin übernimmt als Cheftrainerin die südkoreanischen Curling-Nationalteams und wird künftig die Männer, Frauen und das Mixed-Doppel betreuen. Ihre neue Aufgabe hat die vierfache Weltmeisterin bereits am 1. September angetreten.

Der südkoreanische Curling-Verband hat die Verpflichtung nach der endgültigen Zustimmung des Koreanischen Sport- und Olympiakomitees bestätigt. Tirinzoni übernimmt damit erstmals in ihrer Karriere eine Trainerfunktion und erhält unmittelbar die Verantwortung über das gesamte nationale Eliteprogramm.

Für die Schweizerin beginnt damit nur wenige Monate nach ihrem letzten Wettkampf ein neues Kapitel. Im April hatte Tirinzoni ihre aussergewöhnliche Laufbahn beendet, nachdem sie bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 mit dem Schweizer Frauen-Team noch die Silbermedaille gewonnen hatte.

Tirinzoni übernimmt das gesamte Nationalprogramm

Tirinzoni wird ab der Saison 2026/27 nicht nur eine einzelne Mannschaft betreuen. Die Schweizerin soll sämtliche südkoreanischen Nationalteam-Kategorien führen und damit sowohl für die Vierer-Teams der Männer und Frauen als auch für das Mixed-Doppel verantwortlich sein.

Die Verpflichtung ist für den südkoreanischen Verband ein bedeutender Schritt. Tirinzoni bringt mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung auf höchstem internationalen Niveau mit und gehörte während ihrer aktiven Karriere zu den taktisch stärksten Spielerinnen ihrer Generation.

Besonders ihre Erfahrung bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen soll nun in die Entwicklung der südkoreanischen Teams einfliessen. Tirinzoni nahm an den Winterspielen 2018 in Pyeongchang, 2022 in Peking und 2026 in Milano Cortina teil.

Ihre letzte Olympia-Teilnahme wurde zum emotionalen Abschluss ihrer Spielerkarriere. Das Schweizer Team erreichte in Cortina den Final und sicherte sich Silber. Bereits während der Spiele gehörten die Curlerinnen zu jener erfolgreichen Schweizer Delegation, die in Milano Cortina eine Schweizer Rekordbilanz bei Olympischen Winterspielen erreichte.

Vier WM-Titel in Serie mit der Schweiz

Tirinzoni gehörte gemeinsam mit Alina Pätz ab 2018 zu einem der erfolgreichsten Curling-Teams der Welt. Den ersten Weltmeistertitel gewann die Schweizer Equipe 2019 im dänischen Silkeborg.

Nach der pandemiebedingten Absage der WM 2020 verteidigten die Schweizerinnen ihren Titel 2021 in Calgary. Weitere Goldmedaillen folgten 2022 in Prince George und 2023 im schwedischen Sandviken.

Vier Weltmeistertitel in Folge machten Tirinzoni und ihr Team zu einer der dominierenden Formationen der jüngeren Curling-Geschichte. Hinzu kamen Europameistertitel 2023 und 2024 sowie weitere Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften.

Auch die Konstanz der Schweizerinnen war aussergewöhnlich. Über Jahre hinweg blieb das Team bei Weltmeisterschaften während 42 Spielen in Folge ungeschlagen.

Im April 2026 erklärte Tirinzoni schliesslich ihren Rücktritt. Neben den vier WM-Titeln und Olympia-Silber standen zu diesem Zeitpunkt unter anderem zwei EM-Titel und sieben Grand-Slam-Erfolge in ihrer Bilanz.

Vom Skip direkt zur Nationaltrainerin

Eine lange Auszeit nach dem Karriereende legte Tirinzoni nicht ein. Bereits wenige Monate nach ihrem Rücktritt entschied sie sich für den Wechsel ins Trainerfach und für ein Engagement ausserhalb der Schweiz.

Für Südkorea bietet ihre Verpflichtung die Chance, von einer Athletin zu profitieren, die nahezu jede wichtige Situation des internationalen Curlings selbst erlebt hat. Gerade ihre taktische Erfahrung, ihr Verständnis für Eisbedingungen und ihre Routine in entscheidenden Spielen gehörten während ihrer Karriere zu ihren grössten Stärken.

Für Tirinzoni beginnt zugleich eine völlig neue Rolle. Statt selbst die entscheidenden Steine zu spielen und als Skip die taktischen Entscheidungen auf dem Eis zu treffen, muss sie ihre Erfahrung nun an mehrere Mannschaften weitergeben.

Der Übergang vom Spitzensport ins Trainerleben erfolgt damit beinahe nahtlos. Nach mehr als zwei Jahrzehnten als eine der erfolgreichsten Schweizer Curlerinnen soll Tirinzoni nun dazu beitragen, das südkoreanische Curling auf internationaler Ebene weiterzuentwickeln.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
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