Radon in Wohnräumen: richtig messen, Risiken erkennen und Gebäude nachhaltig sanieren

Radon ist unsichtbar, geruchlos und mit den menschlichen Sinnen nicht wahrnehmbar. Das radioaktive Edelgas entsteht natürlich im Untergrund und kann durch Risse, Fugen, Leitungsdurchführungen oder ungedichtete Kellerböden in Gebäude gelangen. In der Raumluft können sich erhöhte Konzentrationen bilden. Eine verlässliche Beurteilung ist deshalb weder durch den Geruch noch durch eine normale Gebäudeinspektion möglich: Entscheidend ist eine korrekt durchgeführte Radonmessung.

In der Schweiz steht mit der Radonkarte des Bundes eine wichtige Orientierungshilfe zur Verfügung. Sie zeigt jedoch keine konkrete Belastung eines Hauses, sondern die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung des Schweizer Referenzwerts von 300 Becquerel pro Kubikmeter. Besonders relevant sind erdberührte Räume, Keller und die untersten bewohnten Geschosse. Wird eine erhöhte Konzentration festgestellt, stehen unterschiedliche Sanierungswege zur Verfügung: Eintrittsstellen abdichten, Luftführung verändern oder radonhaltige Bodenluft absaugen.

Was Radon ist und weshalb es im Haus zum Problem werden kann

Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas. Es entsteht in der Zerfallsreihe von Uran, das in unterschiedlicher Konzentration in Böden und Gesteinen vorhanden ist. Aus dem Untergrund kann Radon in die Bodenluft übertreten und sich von dort weiter ausbreiten.

Im Freien wird das Gas durch die grosse Luftmenge rasch verdünnt. In Gebäuden sieht die Situation anders aus. Dringt Radon aus dem Boden in einen geschlossenen Raum ein, kann die Konzentration ansteigen.

Gesundheitlich relevant sind vor allem die radioaktiven Zerfallsprodukte des Radons. Beim Einatmen können sich diese in den Atemwegen ablagern. Langfristig erhöht eine erhöhte Radonexposition das Risiko für Lungenkrebs.

Für die Schweiz wird Radon deshalb als bedeutender vermeidbarer Risikofaktor betrachtet. Das Risiko steigt mit der langfristigen Konzentration und der Dauer der Exposition. Der Schweizer Referenzwert von 300 Bq/m³ ist entsprechend keine Grenze zwischen vollkommen ungefährlich und gefährlich. Niedrigere Radonkonzentrationen sind grundsätzlich günstiger.

Die Radonkarte zeigt ein Risiko, keinen Messwert für das Haus

Die Radonkarte der Schweiz ist ein sinnvoller erster Schritt bei der Einschätzung eines Standortes. Sie zeigt für einzelne Gebiete die Wahrscheinlichkeit, dass in einem Gebäude der Referenzwert von 300 Bq/m³ überschritten wird.

Die interaktive Karte arbeitet mit einem räumlichen Raster. Bei ausreichender Vergrösserung lässt sich für einen Standort die berechnete Überschreitungswahrscheinlichkeit anzeigen. Zusätzlich wird ein Vertrauensindex angegeben, der verdeutlicht, wie belastbar die statistische Einschätzung für das jeweilige Gebiet ist.

Die Karte darf jedoch nicht mit einem Messresultat verwechselt werden. Zwei unmittelbar benachbarte Häuser können deutlich unterschiedliche Radonkonzentrationen aufweisen. Entscheidend sind neben der Geologie unter anderem:

  • Aufbau und Durchlässigkeit des Untergrunds
  • Dichtigkeit von Bodenplatte und Kellerwänden
  • Risse und Fugen
  • Leitungs- und Rohrdurchführungen
  • Aufbau des Kellers
  • Luftwechsel im Gebäude
  • Druckverhältnisse zwischen Innenraum und Erdreich

Eine geringe statistische Wahrscheinlichkeit auf der Karte schliesst deshalb eine erhöhte Belastung in einem einzelnen Gebäude nicht aus. Umgekehrt muss ein Haus in einem Gebiet mit erhöhtem Radonpotenzial nicht zwangsläufig hohe Innenraumwerte aufweisen.

Für die Entscheidung über eine Sanierung zählt letztlich die Messung im Gebäude.



Warum Radon bevorzugt von unten ins Gebäude gelangt

Der wichtigste Eintrittspfad ist in der Regel der Kontakt zwischen Gebäude und Erdreich. Bereits kleine Undichtigkeiten können ausreichen, damit radonhaltige Bodenluft in den Keller oder in das Erdgeschoss gelangt.

Typische Eintrittsstellen sind Risse in Bodenplatten und Kellerwänden, Anschlussfugen zwischen Wand und Boden, offene Leitungsdurchführungen sowie nicht ausreichend abgedichtete Schächte. Besonders durchlässig sind Keller mit Natur-, Kies- oder anderen nicht geschlossenen Böden.

Hinzu kommt der sogenannte Kamineffekt. Warme Luft steigt im Gebäude nach oben. Dadurch entsteht in den unteren Geschossen gegenüber dem Untergrund ein leichter Unterdruck. Dieser kann Bodenluft durch vorhandene Undichtigkeiten in das Gebäude saugen.

Im Winter ist dieser Effekt häufig ausgeprägter, weil der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Aussenluft grösser ist. Abluftanlagen, Küchenabzüge, Badezimmerlüfter oder Cheminées können die Druckverhältnisse zusätzlich beeinflussen, wenn nicht ausreichend Aussenluft nachströmen kann.

Die Radonbelastung eines Hauses hängt deshalb von Geologie und Bauweise gemeinsam ab.

Diese Räume verdienen bei der Radonmessung besondere Aufmerksamkeit

Grundsätzlich kann Radon in unterschiedlichen Bereichen eines Gebäudes auftreten. Besonders relevant sind jedoch Räume mit Erdkontakt und die untersten bewohnten Geschosse.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Wohnzimmer im Erdgeschoss
  • Schlaf- und Kinderzimmer im untersten bewohnten Stockwerk
  • Souterrainwohnungen
  • Arbeits- oder Hobbyräume im Untergeschoss
  • zu Wohnraum umgebaute Kellerbereiche
  • Keller mit Naturboden

Ein Keller ohne längeren Personenaufenthalt ist gesundheitlich anders zu beurteilen als ein Schlafzimmer mit identischer Radonkonzentration. Trotzdem kann eine zusätzliche Messung im Keller wichtige Hinweise liefern, weil sich dort Eintrittswege und hohe Konzentrationen besonders deutlich zeigen können.

Relevant ist ausserdem die Verbindung zwischen Keller und Wohnbereich. Undichte Türen, offene Treppenhäuser, Installationsschächte und Leitungsführungen können zur Verteilung radonhaltiger Luft innerhalb des Hauses beitragen.


Ein Fachmann untersucht einen Kellerbereich. Bei der Abklärung einer Radonbelastung spielen erdberührte Bauteile, vorhandene Undichtigkeiten und die Nutzung des Untergeschosses eine wichtige Rolle.

Eine anerkannte Radonmessung braucht Zeit

Radonkonzentrationen schwanken. Wetter, Jahreszeit, Heizbetrieb, Lüftungsverhalten und Druckverhältnisse können dazu führen, dass ein Messwert innerhalb eines Tages oder zwischen verschiedenen Wochen deutlich variiert.

Eine einzelne Momentaufnahme reicht deshalb nicht aus, um die langfristige Belastung eines Wohngebäudes zuverlässig zu beurteilen.

Für eine anerkannte Messung in einem Schweizer Wohngebäude empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit eine Expositionszeit von einem Jahr. Mindestens erforderlich sind 90 Tage während der Heizperiode von Oktober bis März.

Gemessen werden mindestens zwei voneinander getrennte Wohnräume, in denen sich Personen längere Zeit aufhalten. Bevorzugt werden Räume mit Erdkontakt beziehungsweise Räume im tiefsten bewohnten Geschoss. Eine zusätzliche Messung im Untergeschoss ist sinnvoll, insbesondere wenn dort ein Raum mit hohem Radonpotenzial vorhanden ist.

Für eine anerkannte Messung werden Dosimeter über eine vom Bund anerkannte Radonmessstelle bezogen und nach dem vorgeschriebenen Verfahren ausgewertet.

Wo ein Dosimeter sinnvoll platziert wird

Der Messort beeinflusst das Resultat. Das Dosimeter soll die tatsächlich eingeatmete Raumluft möglichst realistisch erfassen.

Geeignet ist eine Position ungefähr auf Atemhöhe, beispielsweise auf einem Möbelstück. Das Messgerät bleibt frei der Raumluft ausgesetzt und wird nicht in einem Schrank oder einer Schublade versteckt.

Direkte Sonneneinstrahlung und die unmittelbare Nähe zu Heizkörpern, Kaminen oder anderen Wärmequellen sind zu vermeiden. Auch direkt neben Fenstern und Aussentüren ist der Standort ungünstig. Während der Messperiode sollte das Dosimeter nicht verschoben werden.

Küche und Badezimmer eignen sich aufgrund von Feuchtigkeit und wechselnden Lüftungsverhältnissen in der Regel weniger gut für eine repräsentative Langzeitmessung als Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer.

Entscheidend ist zudem, dass das Gebäude während der Messung normal genutzt wird. Ein Haus, das während eines Grossteils der Messperiode leer steht und anders als üblich beheizt oder gelüftet wird, liefert möglicherweise kein repräsentatives Bild der tatsächlichen Exposition.

Kurzzeitmessung und Langzeitmessung erfüllen unterschiedliche Aufgaben

Elektronische Messgeräte können Radonwerte in kurzen Zeitabständen anzeigen. Dadurch wird sichtbar, wie sich die Konzentration beispielsweise während der Nacht, nach dem Lüften oder bei verändertem Heizbetrieb entwickelt.

Solche zeitaufgelösten Daten sind bei der Gebäudediagnose und bei der Optimierung einer Sanierung hilfreich.

Eine kurze Messung über wenige Tage ersetzt jedoch keine anerkannte Langzeitmessung, wenn der Jahresmittelwert zuverlässig beurteilt werden soll.

Für Situationen, in denen eine mindestens 90-tägige Messung nicht abgewartet werden kann, existiert in der Schweiz ein Verfahren für Kurzzeitmessungen. Ein möglicher Anwendungsfall ist eine Immobilientransaktion. Das Resultat erlaubt eine rasche Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung, entspricht aber nicht einer anerkannten Bestimmung des Jahresmittelwertes.

Was der Referenzwert von 300 Bq/m³ bedeutet

In der Schweiz gilt seit 2018 für Räume mit Personenaufenthalt ein Radonreferenzwert von 300 Bq/m³. Entscheidend ist die über längere Zeit gemittelte Radonkonzentration.

Wird der Referenzwert überschritten, besteht Sanierungsbedarf. Bei bestehenden Wohn- und Aufenthaltsräumen spielen bei der Umsetzung unter anderem Dringlichkeit, Verhältnismässigkeit und der kantonale Vollzug eine Rolle.

Der Referenzwert sollte jedoch nicht als Sanierungsziel missverstanden werden, bei dem jeder Wert knapp darunter automatisch optimal wäre. Eine dauerhafte Reduktion der Radonkonzentration bleibt auch unterhalb von 300 Bq/m³ grundsätzlich sinnvoll, wenn sie mit angemessenem Aufwand erreicht werden kann.

Bei höheren Messwerten gewinnt eine fachkundige Gebäudeanalyse an Bedeutung. Eine Sanierung nach dem Prinzip Versuch und Irrtum kann unnötige Kosten verursachen oder das Problem lediglich in einen anderen Gebäudebereich verlagern.

Vor der Sanierung müssen die Eintrittswege verstanden werden

Die gleiche Radonkonzentration kann in zwei Häusern völlig unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb beginnt eine wirksame Sanierung mit der Analyse des Gebäudes.

Dabei werden insbesondere erdberührte Bauteile, Risse, Leitungsdurchführungen, Schächte, Kellerböden und Verbindungen zwischen Keller und Wohnbereich untersucht.

Auch die Lüftungstechnik gehört zur Analyse. Ein Gebäude kann nach dem Einbau dichter Fenster beispielsweise weniger unkontrollierten Luftwechsel besitzen als zuvor. Fehlt gleichzeitig ein geeignetes Lüftungskonzept, kann die Radonkonzentration steigen.

Eine geplante energetische Sanierung ist deshalb ein geeigneter Zeitpunkt, um Radon mitzudenken. Der Beitrag „Sanierungsfahrplan: In welcher Reihenfolge Dach, Fassade, Fenster und Heizung erneuern“ zeigt, weshalb Änderungen an der Gebäudehülle und Gebäudetechnik als Gesamtsystem geplant werden sollten.

Sanierungsmethode 1: Eintrittsstellen abdichten

Das naheliegendste Prinzip besteht darin, Radon daran zu hindern, überhaupt in das Gebäude einzudringen.

Risse und Fugen in erdberührten Böden und Wänden können geschlossen werden. Besondere Aufmerksamkeit benötigen Leitungsdurchführungen für Wasser, Strom, Telekommunikation und Abwasser. Auch Revisionsöffnungen, Schächte und Übergänge zwischen unterschiedlichen Bauteilen können Eintrittsstellen bilden.

Bei geeigneten Gebäuden können zusätzliche Radonsperren oder andere flächige Abdichtungssysteme zum Einsatz kommen.

Eine einzelne sichtbare Fuge abzudichten reicht allerdings nicht zwangsläufig aus. Bodenluft sucht sich bei vorhandenen Druckunterschieden andere Wege. Eine wirksame Lösung muss deshalb möglichst zusammenhängend ausgeführt werden.

Welche Anforderungen professionelle Abdichtungsarbeiten an erdberührten Bauteilen stellen, zeigt auch der Beitrag „Abdichter EFZ: Fachkraft für dichte Bauwerke und langlebige Gebäudehüllen“.


Das Foto zeigt die Injektion eines Risses in einem Betonbauteil. Bei Radonsanierungen können das fachgerechte Schliessen von Rissen, Fugen und Durchführungen sowie weitere Abdichtungsmassnahmen den Eintritt von Bodenluft verringern.

Sanierungsmethode 2: Luftwechsel und Druckverhältnisse verändern

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, die Radonkonzentration durch eine gezielte Luftführung zu reduzieren.

Ein Ventilator im Keller kann beispielsweise für einen definierten Luftaustausch sorgen. Bei einer kontrollierten Wohnraumlüftung müssen Luftmengen und Druckverhältnisse jedoch sorgfältig geplant werden.

Entscheidend ist, dass eine Lüftungsanlage im Wohnbereich keinen problematischen Unterdruck erzeugt, der zusätzliche Bodenluft ins Gebäude saugt.

Auch bei Küchenabzügen, Cheminées und anderen Abluftsystemen muss ausreichend Zuluft vorhanden sein. Eine Änderung an einer Anlage kann die Druckverhältnisse in einem ganzen Haus beeinflussen.

Einfaches Fensterlüften kann die Radonkonzentration kurzfristig senken. Als dauerhafte Sanierung für deutlich erhöhte Werte ist allein das regelmässige Öffnen von Fenstern jedoch häufig keine robuste Lösung. Das Ergebnis hängt vom Nutzerverhalten ab und kann besonders in der Heizperiode schwanken.

Technische Lösungen sollten deshalb so ausgelegt werden, dass die Schutzwirkung möglichst unabhängig vom täglichen Verhalten erhalten bleibt.

Energetische Sanierung und Radon müssen gemeinsam geplant werden

Neue Fenster, zusätzliche Dämmung und eine dichtere Gebäudehülle reduzieren Wärmeverluste. Gleichzeitig verändern sie den natürlichen Luftaustausch.

Ein älteres Gebäude kann vor der Sanierung durch Fugen und undichte Fenster permanent Luft verlieren. Wird die Hülle deutlich dichter, fällt ein Teil dieses Luftwechsels weg.

Das ist energetisch gewollt. Ohne geplante Lufterneuerung können sich jedoch Schadstoffe und Feuchtigkeit stärker in den Innenräumen anreichern. Auch die Radonkonzentration kann ansteigen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient deshalb ein Fensteraustausch. Bei umfassenden energetischen Massnahmen ist eine Radonmessung vor dem Umbau sinnvoll. Nach Abschluss der Arbeiten sollte erneut gemessen werden.

Das gilt besonders dann, wenn gleichzeitig Keller ausgebaut, Bodenplatten verändert oder neue Aufenthaltsräume im Untergeschoss geschaffen werden.

Sanierungsmethode 3: Radon bereits unter dem Gebäude absaugen

Bei höheren Belastungen reicht das Abdichten einzelner Eintrittsstellen nicht immer aus. In solchen Fällen kann die radonhaltige Bodenluft abgeführt werden, bevor sie in das Gebäude gelangt.

Eine bewährte Methode ist der Radonbrunnen. Dazu wird unterhalb der Bodenplatte ein Bereich geschaffen, aus dem ein Ventilator kontinuierlich Bodenluft absaugt. Dadurch entsteht unter dem Gebäude ein Unterdruck gegenüber dem Innenraum. Die radonhaltige Luft wird kontrolliert nach aussen abgeführt.

Bei Neubauten kann ein ähnliches Prinzip bereits vorsorglich eingeplant werden. Eine Radondrainage aus perforierten Rohren unter der Bodenplatte ermöglicht es, die Bodenluft später passiv oder aktiv abzuführen.

Der Vorteil liegt darin, Radon nahe an der Quelle zu erfassen, bevor es sich im Gebäude verteilt.

Welche Lösung funktioniert, hängt stark vom Untergrund und vom Aufbau der Bodenplatte ab. Die Durchlässigkeit des Materials unter dem Haus beeinflusst beispielsweise, wie weit ein einzelner Absaugpunkt wirkt.


Das Foto zeigt Rohrleitungen und einen Ventilator eines Radon-Absaugsystems. Solche Anlagen führen radonhaltige Bodenluft gezielt ab, bevor sie sich in den Wohnräumen anreichern kann.

Radonfachpersonen helfen bei komplexen Gebäuden

Je höher die Belastung und je komplexer das Gebäude, desto wichtiger wird eine fachkundige Planung.

Radonsanierung berührt unterschiedliche Fachbereiche. Dazu gehören Bauphysik, Abdichtungstechnik, Lüftung, Beton- und Mauerwerksarbeiten sowie teilweise Elektroinstallationen.

Eine Radonfachperson kann Messresultate und Gebäudesituation gemeinsam beurteilen und geeignete Massnahmen festlegen. Bei komplexen Fällen können zusätzliche zeitaufgelöste Messungen helfen, Eintrittswege und Luftbewegungen besser zu verstehen.

Eine systematische Planung verhindert auch problematische Wechselwirkungen. Ein leistungsfähiger Abluftventilator kann beispielsweise eine hohe Luftwechselrate erzeugen, gleichzeitig aber unerwünschten Unterdruck im Gebäude verstärken. Eine Abdichtung kann wirksam sein, solange sie tatsächlich alle relevanten Eintrittswege erfasst.

Deshalb ist die technische Ursache wichtiger als eine pauschale Standardlösung.

Video: Radonbelastung und Sanierung an einem konkreten Wohnhaus



Der Beitrag „Gefahr durch Radon im eigenen Zuhause | Lungenkrebs durch unsichtbares Gas?“ des Bayerischen Rundfunks begleitet eine Familie, die in ihrem Wohnhaus erhöhte Radonwerte feststellt und anschliessend Sanierungsmassnahmen im Keller umsetzt. Das Video zeigt anschaulich, wie eine zunächst unsichtbare Belastung durch Messungen erkannt wird und weshalb die technische Sanierung auf die konkrete Gebäudesituation abgestimmt werden muss. Der Beitrag stammt aus Deutschland; rechtliche Referenzwerte und behördliche Verfahren im vorliegenden Artikel beziehen sich deshalb ausschliesslich auf die Schweiz.

Nach der Sanierung entscheidet die Kontrollmessung

Eine fertig ausgeführte Massnahme ist noch kein Beweis für eine erfolgreiche Radonsanierung.

Entscheidend ist die Messung danach. Erst sie zeigt, ob die Radonkonzentration tatsächlich ausreichend gesunken ist.

Das ist besonders wichtig, wenn mehrere Eintrittswege möglich waren. Wird ein grosser Riss geschlossen, kann Bodenluft unter ungünstigen Bedingungen an einer anderen Stelle eintreten. Auch Änderungen an Lüftung, Heizung oder Gebäudenutzung können das Ergebnis beeinflussen.

Bei einer Radonsanierung gehört die Kontrollmessung deshalb zum Gesamtkonzept.

Zeigt sie weiterhin erhöhte Werte, muss die Ursachenanalyse erweitert werden. Möglich ist beispielsweise eine Kombination mehrerer Methoden: Abdichten der wichtigsten Eintrittsstellen und zusätzliches Absaugen der Bodenluft.

Beim Kellerumbau Radon vor Beginn der Arbeiten prüfen

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Umnutzung von Kellern.

Ein Lagerraum mit Naturboden oder einfacher Bodenplatte kann jahrzehntelang kaum genutzt worden sein. Wird daraus ein Büro, Schlafzimmer, Gästezimmer oder Hobbyraum, verlängert sich die tägliche Aufenthaltsdauer erheblich.

Eine optisch hochwertige Renovation ändert an einer vorhandenen Radonquelle zunächst nichts. Neue Böden, Wandverkleidungen und Innendämmungen können spätere Sanierungsarbeiten sogar erschweren, wenn die Radonsituation erst nach Fertigstellung untersucht wird.

Eine Messung vor dem Umbau schafft deshalb Planungssicherheit. Bei auffälligen Resultaten können Abdichtung, Bodenaufbau, Leitungsdurchführungen und gegebenenfalls eine Radondrainage in die Bauplanung integriert werden.

Das ist in der Regel sinnvoller, als einen frisch fertiggestellten Raum später wieder zu öffnen.

Auch Neubauten profitieren von vorsorglichem Radonschutz

Beim Neubau lassen sich Schutzmassnahmen wesentlich einfacher vorbereiten als in einem fertigen Gebäude.

Eine durchgehende und dichte Konstruktion im erdberührten Bereich bildet die Grundlage. Rohr-, Kabel- und Leitungsdurchführungen müssen luftdicht ausgeführt werden.

Bei erhöhtem Radonpotenzial oder erdberührten Aufenthaltsräumen können zusätzliche Massnahmen vorgesehen werden. Dazu gehören Radonsperren und ein vorbereitetes Entlüftungssystem unter der Bodenplatte.

Eine vorsorglich eingebaute Radondrainage muss nicht zwingend von Beginn an dauerhaft mit einem Ventilator betrieben werden. Die vorbereitete Rohrführung ermöglicht jedoch eine vergleichsweise einfache Aktivierung, falls eine spätere Messung erhöhte Werte ergibt.

Radonschutz ist damit ein typisches Beispiel dafür, dass sorgfältige Detailplanung im Rohbau spätere Eingriffe erheblich vereinfachen kann.

Ein sinnvoller Ablauf von der Verdachtslage bis zur Sanierung

Für bestehende Wohngebäude lässt sich der Umgang mit Radon in eine klare Reihenfolge bringen:

  1. Radonkarte und Gebäudesituation als erste Orientierung betrachten.
  2. Eine anerkannte Radonmessung mit geeigneten Dosimetern durchführen.
  3. Messwerte und Nutzung der betroffenen Räume gemeinsam beurteilen.
  4. Bei erhöhten Werten die möglichen Eintrittswege und Druckverhältnisse untersuchen.
  5. Geeignete Abdichtungs-, Lüftungs- oder Absaugmassnahmen festlegen.
  6. Massnahmen fachgerecht ausführen.
  7. Anschliessend eine Kontrollmessung durchführen.

Dieses Vorgehen verhindert zwei typische Fehler: eine aufwendige Sanierung ohne gesicherte Messgrundlage und das blosse Abdichten einer offensichtlichen Stelle ohne Prüfung des Gesamtsystems.

Fazit: Bei Radon gilt messen vor sanieren

Radon lässt sich weder sehen noch riechen. Gerade deshalb bildet eine korrekt durchgeführte Messung die Grundlage jeder seriösen Beurteilung.

Die Schweizer Radonkarte hilft, das statistische Risiko eines Standortes einzuschätzen. Sie kann die Messung im konkreten Gebäude jedoch nicht ersetzen. Besonders relevant sind erdberührte Räume, Naturbodenkeller und die untersten bewohnten Geschosse.

Erhöhte Radonwerte lassen sich in vielen Gebäuden technisch deutlich reduzieren. Möglich sind das Abdichten von Eintrittsstellen, eine gezielte Lüftung und Druckführung sowie Systeme, die radonhaltige Bodenluft bereits unter dem Gebäude absaugen. Welche Massnahme geeignet ist, hängt von Bauweise, Untergrund, Luftführung und Höhe der gemessenen Belastung ab.

Besondere Aufmerksamkeit ist bei energetischen Sanierungen und Kellerumbauten sinnvoll. Eine dichtere Gebäudehülle kann die Luftverhältnisse verändern, während aus einem selten betretenen Keller durch eine Umnutzung plötzlich ein Raum mit langem Personenaufenthalt wird.

Eine erfolgreiche Radonsanierung endet deshalb nicht mit der letzten Handwerkerarbeit. Erst die anschliessende Kontrollmessung zeigt, ob die Belastung tatsächlich nachhaltig reduziert wurde.

 

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