Laval: Dominic Geisseler wird Para-Kletter-Europameister, Sarah Longhi gewinnt Bronze

An den Europameisterschaften im Para-, Lead- und Speedklettern im französischen Laval hat das Schweizer Team sechs Finalplätze erreicht. Ein Para-Kletterer und eine Para-Kletterin standen auf dem Podest.

Vom 28. bis 30. August fanden in Laval die Europameisterschaften im Sportklettern statt. Nebst den Disziplinen Lead und Speed wurden auch die Titel im Para-Klettern vergeben. Der Para-Kletterer Dominic Geisseler aus Pratteln wurde Europa-Meister, seine Teamkollegin Sarah Longhi holte die Bronzemedaille.

13. Medaille und erster Europameistertitel

Dominic Geisseler ist seit 2023 an 14 Wettkämpfen angetreten – und erreichte in Laval zum 13. Mal das Podest. Dem Athleten fehlen mehrere Fingerglieder, und er startet in der Kategorie AU3 für Kletterer mit Einschränkungen im Bereich der Hand. In Laval verlief die Qualifikationsrunde für ihn nicht optimal, sodass er um seinen Finaleinzug bangen musste. Geisseler spricht von einer „Achterbahnfahrt der Gefühle“, denn im Final entschied ein Schiedsrichterentscheid über seinen Titel.


Dominic Geisseler

Dort wartete eine besonders steile Passage mit wenigen Tritten und ohne Erholungsmöglichkeit für die Arme auf ihn. Als erfahrener Athlet teilte der 45-Jährige seine Kräfte gut ein. Zunächst sah es so aus, als hätte er dieselbe Höhe erreicht wie der später Zweitplatzierte. Die Trainerin erhob jedoch Einspruch gegen die Wertung – und es zeigte sich, dass Dominic Geisseler einen Griff mehr gehalten hatte als sein Kontrahent. „Ich bin unglaublich dankbar und glücklich über diesen Erfolg“, sagt der Para-Kletterer.


Dominic Geisseler

Dominic Geisseler

Und mit Sarah Longhi feierte das Para Climbing Team des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) gleich einen zweiten Podestplatz. Die 40-Jährige aus Knonau trat in der Kategorie RP2 an. Die Athletinnen dieser Kategorie haben neurologische oder physiologische Einschränkungen mittlerer Schwere, die sehr unterschiedlich sein können und sich auf Beweglichkeit, Koordination und Kraft auswirken. Longhi sitzt im Alltag im Rollstuhl und hat vor allem Mühe, die Bewegung ihres rechten Beins zu kontrollieren. Mit kreativen Lösungen kämpfte sie sich die Wand hoch und erreichte den dritten Rang.


Sarah Longhi

Longhi schwärmt von der „bombastischen Stimmung und den abwechslungsreichen Routen“. Da in Laval gleichzeitig auch die World Climbing Series stattfanden, kamen Athletinnen und Athleten aus 28 Nationen zusammen und verliehen dem Anlass eine besondere internationale Atmosphäre.


Sarah Longhi

Schnelle Zeiten und zwei Finalisten im Lead

Auch die anderen Athletinnen und Athleten des Swiss Climbing Teams zeigten in Laval starke Leistungen. In der Kategorie Speed sprintete Gilles Meili die 15-Meter-Wand in 4.89 Sekunden hoch – und erreichte damit die drittschnellste Zeit des gesamten Wettkampfs (der neue Europarekord: 4.79 Sekunden). Allerdings treten im Speed die Athletinnen und Athleten im K.-o.-System gegeneinander an. Dabei gelangen dem 18-jährigen Zürcher nicht in allen Läufen gleich konstante Leistungen. Deshalb beendete er den Wettkampf auf dem 5. Platz.

Im Lead kletterten gleich drei Athleten des Swiss Climbing Teams in die Top Ten. Jonas Utelli und Sascha Lehmann kletterten am Sonntagnachmittag im Final der besten Acht. Beide zeigten eine starke Leistung, verloren aber an einer steilen Passage mit Untergriffen viel Kraft und beendeten den Wettkampf auf dem 5. beziehungsweise 8. Platz. Damit belegt Jonas Utelli in der Gesamtwertung der europäischen Lead-Wettkämpfe 2026 den dritten Platz.

Bei den Damen kletterte die 20-jährige Noé Looser als beste Schweizerin auf den 11. Platz.

Resultate Swiss Climbing Team

World Climbing Europe Championship Laval 2026

Para Climbing

  • B1 Damen: 4. Laila Grillo, 27.2.1991, Allschwil BL / Anna Jutz (Guide)
  • B1 Herren: 5. Steven Mack, 9.3.1986, Adelboden BE / Damaris Blum (Guide)
  • B3 Herren: 5. Sebastian Schmitz, 27.10.1981, Baar ZG / Anita Kolar (Guide)
  • AL2 Damen: 7. Dilan Zbinden, 25.9.1996, Uster ZH
  • AL2 Herren: 7. Martin Villiger, 14.5.1996, Horw LU
  • AU2 Damen: 6. Lune Bösch, 19.1.2001, Zürich
  • RP1 Damen: 4. Doris Rohner, 12.6.1987, Malters LU
  • RP1 Herren: 19. Bruno Aerni, 24.8.2001, Clarens VD
  • RP2 Damen: 3. Sarah Longhi, 21.5.1986, Knonau ZH
  • AU3 Herren: 1. Dominic Geisseler, 13.6.1981, Pratteln BL

Laila Grillo

Laila Grillo und Anna Jutz (Guide)

Dilan Zbinden

Doris Rohner

Speed

Männer

  • 5. Gilles Meili, 2.4.2008, Zürich
  • 26. Sofiane Vial, 14.4.2009, Avry-devant-Pont FR

Lead

Männer

  • 5. Jonas Utelli, 26.9.2003, Thun BE
  • 8. Sascha Lehmann, 3.2.1998, Bern
  • 10. Nino Grünenfelder, 23.12.2001, Bern

Damen

  • 11. Noé Looser, 5.10.2006, Grabs SG
  • 38. Liv Egli, 7.6.2003, Hünibach BE
  • 45. Charlotte Perney, 2.6.2007, Lausanne VD

Kategorien

Die Para-Kletterinnen und Para-Kletterer starten je nach Art und Schwere der körperlichen Behinderung in unterschiedlichen Kategorien. Die Zahlen 1, 2 oder 3 geben an, wie stark die Einschränkung ist. 1 ist jeweils am stärksten.

  • Kategorien B1, B2, B3: Die Athletinnen und Athleten haben unterschiedlich starke Einschränkungen beim Sehen – von kompletter Blindheit bis zu eingeschränkter Sehschärfe oder Sichtfeld.
  • Kategorien AL1, AL2: Die Athletinnen und Athleten haben Einschränkungen an den Beinen. Sie sitzen im Rollstuhl, sind gelähmt oder haben Amputationen. In der Kategorie AL2 kann mit oder ohne Prothese geklettert werden.
  • Kategorien AU2, AU3: Die Athletinnen und Athleten haben Einschränkungen an den Armen oder Händen. Sie haben nur einen Arm, eine Unterarmamputation (AU2) oder Einschränkungen im Bereich der Hand (AU3).
  • Kategorien RP1, RP2, RP3: Die Athletinnen und Athleten haben neurologische oder physiologische Einschränkungen, die sehr unterschiedlich sein können. Diese wirken sich auf Beweglichkeit, Koordination und Kraft aus.

 

Quelle: Schweizer Alpen-Club SAC
Bildquelle: Slobodan Miskovic