Nicole Koller reist auf eigene Kosten zum Weltcup-Finale

Nicole Koller kämpft trotz des Aus ihres Rennstalls weiter um einen starken Abschluss ihrer herausragenden Mountainbike-Saison. Die WM-Dritte verzichtet auf den Weltcup in Soldier Hollow, will beim Saisonfinale in Lake Placid aber wieder antreten – und finanziert die Reise in die USA selbst. Gleichzeitig laufen Gespräche über ihre sportliche Zukunft.

Die 29-jährige Zürcherin befindet sich in einer ungewöhnlichen Situation. Sportlich gehört sie nach WM-Bronze im Cross Country zur absoluten Weltspitze, doch nach dem Ende des Lapierre PXR Racing Teams fehlt ihr für die kommende Saison weiterhin ein neuer Rennstall.

Besonders bitter ist die Situation mit Blick auf den Gesamtweltcup. Koller liegt im Short Track auf Rang vier und nur zwei Punkte hinter einem Podestplatz, im olympischen Cross Country belegt sie den sechsten Gesamtrang. Durch den Verzicht auf Soldier Hollow verliert sie nun wichtige Möglichkeiten, diese Positionen zu verteidigen oder sogar zu verbessern.

Lake Placid wird zum selbst finanzierten Saisonfinale

Der Mountainbike-Weltcup macht am 19. und 20. September zunächst in Soldier Hollow im US-Bundesstaat Utah Halt. Dort wird Koller nicht starten. Die Schweizerin muss damit ausgerechnet in einer Phase auf Punkte verzichten, in der sie in beiden Gesamtwertungen ausgezeichnet positioniert ist.

Ganz auf die letzten Rennen der Saison verzichten will sie allerdings nicht. Zum Weltcup-Finale am 3. und 4. Oktober in Lake Placid reist Koller auf eigene Kosten in die USA.

Dieser Entscheid zeigt, wie aussergewöhnlich ihre aktuelle Lage ist. Eine Athletin, die Ende August eine WM-Medaille gewonnen hat und im Weltcup zur erweiterten Spitze gehört, muss ihren Einsatz bei einem der wichtigsten Rennen der Saison plötzlich selbst organisieren und finanzieren.

Bereits zuvor hatte das Aus von Lapierre PXR Koller mitten in ihrer stärksten Saison vor grosse finanzielle und sportliche Unsicherheit gestellt. Das ursprünglich langfristig geplante Projekt existiert inzwischen nicht mehr.

WM-Bronze mitten in schwieriger Phase

Sportlich liess sich Koller vom Chaos rund um ihr Team kaum etwas anmerken. Am 30. August gewann sie bei der Weltmeisterschaft im italienischen Val di Sole Bronze im Cross Country. Sina Frei sorgte mit Gold gleichzeitig für einen Schweizer Doppelerfolg.

Für Koller war es die erste Elite-WM-Medaille in der olympischen Cross-Country-Disziplin. Sie krönte damit eine Saison, in der sie bereits Schweizer Meisterin geworden war und sich auch im Weltcup konstant unter den Besten etablierte.

Die vergangenen Wochen haben dennoch Kraft gekostet. Koller räumt ein, dass ihre Energiereserven nach der Weltmeisterschaft weitgehend aufgebraucht gewesen seien. Unterstützung erhielt sie in dieser schwierigen Phase insbesondere von ihrem Coach, ihrer Familie und ihrem Freundeskreis.

Trotz der finanziellen Probleme ihres ehemaligen Teams blickt Koller nicht verbittert zurück. Der letzte gemeinsame Weltcup in Les Gets sei für sie wichtig gewesen, weil dort nochmals deutlich geworden sei, wie eng der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft war.

Gespräche über neues Team laufen

Parallel zu den Rennen muss Koller ihre Zukunft organisieren. Gespräche mit verschiedenen Teams haben bereits stattgefunden, eine definitive Lösung für die kommende Saison gibt es bislang aber nicht.

Dass eine WM-Dritte überhaupt um einen neuen Platz kämpfen muss, zeigt die schwierige Situation im internationalen Mountainbike-Sport. Mehrere Teams stehen wirtschaftlich unter Druck, entsprechend begrenzt sind die verfügbaren Plätze für die kommende Saison.

Koller bleibt dennoch zuversichtlich, eine gute Lösung zu finden. Ihre sportlichen Argumente sind stark: WM-Bronze, der Schweizer Meistertitel sowie Spitzenpositionen im Short-Track- und Cross-Country-Weltcup machen sie zu einer der erfolgreichsten Schweizer Mountainbikerinnen der Saison.

Zunächst steht jedoch Lake Placid im Mittelpunkt. Dort will Koller ihre Saison noch einmal auf höchstem Niveau abschliessen – auch wenn sie dafür diesmal selbst die finanziellen Voraussetzungen schaffen muss.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert