Fast 30 Millionen Schulden – Ambrì unter Druck

Der HC Ambrì-Piotta steht finanziell erheblich unter Druck. Nach Recherchen der «NZZ am Sonntag» beläuft sich die konsolidierte Schuldenlast rund um den Tessiner Traditionsklub mittlerweile auf fast 30 Millionen Franken. Der Klub selbst bestätigt zwar keine Gesamtsumme, spricht aber offiziell von einer laufenden Schuldenrestrukturierung, schwieriger Liquiditätslage und Auflagen im Zusammenhang mit der National-League-Lizenz.

Den grössten Teil der Verschuldung sollen gemäss der «NZZ am Sonntag» Verpflichtungen rund um die 2021 eröffnete Gottardo Arena ausmachen. Rund 22 Millionen Franken sollen auf Hypothekarschulden entfallen, hinzu kommen knapp drei Millionen Franken an Covid-Krediten sowie weitere Forderungen privater Gläubiger. Ambrì hat bereits bestätigt, in den vergangenen Monaten intensive Gespräche mit privaten Geldgebern und den Gläubigerbanken der Valascia Immobiliare SA geführt zu haben.

Die neuen Zahlen verschärfen das Bild, das der Klub Ende August an seiner Generalversammlung selbst gezeichnet hatte. Damals meldete die HCAP SA für 2025/26 einen Verlust von 392’809 Franken, während die gesamte HCAP-Gruppe mit einem Minus von 848’093 Franken abschloss. Bereits nach der Generalversammlung waren die roten Zahlen und die geplante finanzielle Stabilisierung zum zentralen Thema geworden.

Gottardo Arena belastet die Bilanz

Die neue Dimension der Verschuldung hängt vor allem mit der Infrastruktur zusammen. Die Gottardo Arena brachte Ambrì zwar deutlich bessere wirtschaftliche Möglichkeiten und hohe Zuschauerzahlen, gleichzeitig müssen Kredite und weitere Verpflichtungen aus der Finanzierung der neuen Spielstätte bedient werden.

Schon in früheren Jahren hatte die Klubführung darauf hingewiesen, dass die Rückzahlungen für die Arena sowie die während der Pandemie aufgenommenen Kredite die Gruppe noch über längere Zeit belasten würden.

Gemäss der neuen Recherche sollen allein rund 22 Millionen Franken Hypothekarschulden auf der Gottardo Arena liegen. Diese Zahl stammt aus der «NZZ am Sonntag» und wurde vom Klub bislang nicht separat öffentlich bestätigt.

National League erteilt Lizenz mit Auflagen

Unbestritten ist dagegen, dass die finanzielle Situation auch die National League beschäftigt. Ambrì erhielt die Spielberechtigung für die Saison 2026/27 trotz eines sogenannten «roten Punkts».

Der Klub bestätigte Ende August ausdrücklich, dass damit Auflagen verbunden sind. Die Lizenz wurde somit erteilt, die finanzielle Entwicklung bleibt jedoch unter besonderer Beobachtung.

Präsident Davide Mottis erklärte an der Generalversammlung gleichzeitig, dass der Dialog mit verschiedenen privaten Gläubigern sowie den Banken der Valascia Immobiliare inzwischen abgeschlossen worden sei. Nach Darstellung des Klubs wurden Lösungen gefunden, welche die Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen ermöglichen sollen.

Kapitalerhöhungen sollen Stabilität bringen

Ambrì versucht seit längerem, seine Eigenkapitalbasis zu stärken. In der vergangenen Saison brachten Kapitalerhöhungen nach Klubangaben 2,22 Millionen Franken zusätzliches Eigenkapital.

Gleichzeitig gingen die Spendeneinnahmen um mehr als 700’000 Franken zurück. Dies war einer der wichtigsten Gründe dafür, dass das operative Ergebnis der HCAP SA gegenüber der Vorsaison deutlich schlechter ausfiel.

Der neue Verwaltungsrat hat deshalb die Restrukturierung der Schulden ausdrücklich zu einem seiner wichtigsten strategischen Ziele erklärt. Weitere Kapitalmassnahmen, strengere finanzielle Planung und eine Professionalisierung der Organisation sollen die Lage mittelfristig stabilisieren.

Die unmittelbare Existenz des National-League-Klubs wird von Ambrì selbst nicht infrage gestellt. Die Kombination aus hoher Verschuldung, Verlusten, Lizenzauflagen und den anstehenden Rückzahlungen zeigt jedoch, dass die wirtschaftliche Sanierung zu den grössten Herausforderungen der kommenden Jahre gehört.

🏆 DIE FINANZLAGE VON AMBRÌ IM ÜBERBLICK

  • Die «NZZ am Sonntag» beziffert die konsolidierte Schuldenlast auf fast 30 Millionen Franken.
  • Für 2025/26 weist die HCAP SA offiziell einen Verlust von 392’809 Franken aus, die gesamte Gruppe ein Minus von 848’093 Franken.
  • Die National-League-Lizenz wurde mit einem «roten Punkt» und entsprechenden Auflagen erteilt.
  • Der Verwaltungsrat nennt die Restrukturierung der Schulden ausdrücklich als strategisches Kernziel.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
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