Panne im Tunnel: Richtiges Verhalten bei Fahrzeugstillstand, Unfall, Rauch und Feuer

Plötzlich leuchtet eine Warnlampe auf, der Motor verliert Leistung oder ein Reifen macht Probleme. Ausgerechnet im Tunnel. Jetzt zählt eine klare Reihenfolge: Warnblinker einschalten, das Fahrzeug möglichst sicher abstellen, den Motor ausschalten und den Verkehrsraum verlassen. Wer die nächsten Schritte kennt, kann trotz Stress ruhig handeln und schützt sich, Mitfahrende und den nachfolgenden Verkehr.

Eine Panne im Tunnel ist selten, aber heikler als auf offener Strecke. Der Platz ist knapp, stehende Fahrzeuge werden spät erkannt und Lärm erschwert die Orientierung. Hinzu kommt die Gefahr durch Rauch, falls aus einem technischen Defekt ein Brand entsteht. Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, was in der Schweiz gilt, weshalb die SOS-Notrufstation meist besser ist als das Handy und wann Sie den Tunnel sofort über einen Notausgang verlassen müssen.

Das Wichtigste in sieben Schritten

Wenn das Fahrzeug im Tunnel nicht mehr zuverlässig fährt, hilft diese Reihenfolge:

  • Warnblinker einschalten: Machen Sie den nachfolgenden Verkehr sofort auf die Gefahr aufmerksam.
  • Kontrolliert nach rechts fahren: Nutzen Sie eine Pannenbucht, einen vorhandenen Pannenstreifen oder stellen Sie das Auto möglichst nah am rechten Fahrbahnrand ab.
  • Motor ausschalten: Ziehen Sie die Handbremse an und lassen Sie den Fahrzeugschlüssel im Auto beziehungsweise die Fernbedienung im Fahrzeug.
  • Warnweste anziehen: Idealerweise liegt für jeden Insassen eine Weste griffbereit im Innenraum.
  • Fahrzeug verlassen: Achten Sie auf den Verkehr und bringen Sie alle Insassen aus dem Verkehrsraum.
  • SOS-Station benutzen: Melden Sie die Panne möglichst über das dortige Telefon. Standort und Fahrtrichtung werden dadurch automatisch übermittelt.
  • Geschützt warten: Bleiben Sie in der SOS-Nische oder hinter der Tür eines Notausgangs. Warten Sie niemals im Auto auf Hilfe.

Diese Reihenfolge entspricht den Empfehlungen des Bundesamts für Strassen ASTRA und des Touring Club Schweiz. Das Wichtigste dabei: Wenden Sie niemals und fahren Sie nicht rückwärts. Auch wenn das Tunnelportal scheinbar nah ist, würde ein solches Manöver den entgegenkommenden oder nachfolgenden Verkehr massiv gefährden.

Schon vor der Einfahrt auf Warnzeichen reagieren

Viele Pannen kündigen sich an. Eine rote Warnleuchte, ungewöhnliche Geräusche, Leistungsverlust, Brandgeruch oder eine steigende Kühlmitteltemperatur sind keine Einladung zum Prinzip Hoffnung. Wenn Sie sich noch vor dem Tunnel befinden, halten Sie an einem sicheren Ort ausserhalb der Fahrbahn an und prüfen Sie die Betriebsanleitung. Bei Zweifeln an der Fahrsicherheit gehört das Fahrzeug nicht in den Tunnel.

Gelbe oder orange Anzeigen weisen häufig auf eine Störung hin, bei der eine zeitnahe Kontrolle nötig ist. Rote Symbole können auf ein akutes Problem hinweisen, etwa beim Öldruck, Kühlsystem oder an der Bremsanlage. Die genaue Bedeutung ist vom Fahrzeug abhängig. Der redaktionelle Beitrag «Warnleuchten im Auto: Wann Sie vor dem Seelisbergtunnel besser anhalten sollten» erklärt, welche Anzeigen besondere Aufmerksamkeit verlangen.


Eine rote Warnleuchte kurz vor der Einfahrt sollte immer ernst genommen werden. Halten Sie ausserhalb des Tunnels sicher an und prüfen Sie die Bedeutung in der Betriebsanleitung.

Auch ohne Warnmeldung lohnt sich vor längeren Tunnelfahrten ein kurzer Blick auf Tankfüllung oder Ladezustand. Schalten Sie das Abblendlicht ein, nicht bloss das Tagfahrlicht. Dadurch sind meist auch die Rückleuchten aktiv. Das Radio mit Verkehrsfunk kann Anweisungen der Tunnelzentrale übertragen. Sonnenbrillen nehmen Sie vor der Einfahrt ab, damit sich die Augen schneller an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnen.

Wenn das Auto noch rollt

Ein Motor, der ruckelt oder kaum noch Leistung liefert, verleitet zu hektischen Manövern. Bleiben Sie berechenbar. Schalten Sie den Warnblinker ein, beobachten Sie Spiegel und Verkehr und steuern Sie eine signalisierte Pannenbucht an, sofern das Fahrzeug kontrollierbar bleibt. Gibt es keine Bucht und ist die Weiterfahrt unsicher, halten Sie so weit rechts wie möglich.

Versuchen Sie nicht um jeden Preis, das Tunnelende zu erreichen. Eine rote Öldruckanzeige, Überhitzung, Rauch oder deutlich nachlassende Bremswirkung können eine sofortige Reaktion verlangen. Ebenso falsch wäre es, mitten auf der Fahrbahn auszusteigen, solange sich das Auto noch gefahrlos aus der Spur bewegen lässt. Entscheidend ist eine kontrollierte Bewegung aus dem Verkehrsfluss, ohne abrupten Spurwechsel.

Bleibt das Fahrzeug auf einer Fahrspur stehen und kann nicht mehr bewegt werden, aktivieren Sie sofort die Warnblinkanlage. Verlassen Sie den Wagen erst nach einem sorgfältigen Blick auf den Verkehr. Nutzen Sie nach Möglichkeit die vom Verkehr abgewandte Seite. Eine Leitstelle kann den Tunnel sperren oder den Verkehr verlangsamen, doch das geschieht nicht in derselben Sekunde wie die Panne.

Warnweste zuerst, Gepäck bleibt zurück

Die Warnweste gehört nicht unter Koffer und Einkaufstaschen in den tiefsten Winkel des Kofferraums. Sie sollte im Handschuhfach, Türfach oder unter einem gut erreichbaren Sitz liegen. Sinnvoll ist eine Weste für jeden Insassen. Ziehen Sie sie möglichst noch im Fahrzeug an.

Nehmen Sie Telefon und benötigte Medikamente mit, wenn beides unmittelbar greifbar ist. Suchen Sie nicht lange nach Taschen, Papieren oder Wertgegenständen. Der sicherste Platz ist ausserhalb des Verkehrsraums, nicht neben dem Kofferraum. Kinder bleiben eng bei einer erwachsenen Begleitperson. Ein Haustier wird nur dann angeleint oder in seiner Box mitgenommen, wenn das ohne Verzögerung möglich ist. Niemand geht für Gepäck oder ein entlaufenes Tier zurück auf die Fahrbahn.


Bewahren Sie Warnwesten im Fahrgastraum auf. Im Kofferraum sind sie oft genau dann nicht erreichbar, wenn das Fahrzeug nahe am fliessenden Verkehr steht.

Warum die SOS-Notrufstation besser ist als das Handy

Ein Mobiltelefon wirkt im ersten Moment bequemer. Im Tunnel hat die SOS-Notrufstation jedoch einen entscheidenden Vorteil: Bei der Verbindung werden Standort und Fahrtrichtung automatisch übermittelt. Die Tunnelzentrale weiss dadurch sofort, in welcher Röhre und in welchem Abschnitt Hilfe benötigt wird. Sie kann Kameras prüfen, Signale schalten, Einsatzkräfte aufbieten und den Verkehr beeinflussen.

Öffnen Sie die SOS-Station auch dann, wenn Sie bereits mit dem Handy telefoniert haben. Je nach Anlage kann schon das Öffnen der Tür einen Alarm auslösen; sprechen Sie in jedem Fall über das Telefon mit der Leitstelle und schildern Sie knapp:

  • Was ist passiert?
  • Gibt es Verletzte, Rauch, Feuer oder auslaufende Flüssigkeit?
  • Wie viele Personen befinden sich bei der Pannenstelle?
  • Um welches Fahrzeug handelt es sich?

Ist keine SOS-Station sicher erreichbar, rufen Sie über das Mobiltelefon die europäische Notrufnummer 112 oder die Polizei unter 117 an. Bei einem medizinischen Notfall ist die Sanität unter 144 erreichbar. Beenden Sie das Gespräch erst, wenn die Leitstelle alle Angaben hat, und folgen Sie deren Anweisungen.


Nutzen Sie im Tunnel möglichst das Telefon der SOS-Station. So erhält die Leitstelle den Standort und die Fahrtrichtung automatisch und kann schneller reagieren.

Wo warten Sie auf den Pannendienst?

Das Auto schützt bei einer Panne im Tunnel nicht zuverlässig. Es kann von einem nachfolgenden Fahrzeug erfasst werden. Deshalb verlangen die Schweizer Empfehlungen, dass alle Insassen den Wagen verlassen und ausserhalb des Verkehrsraums warten. Geeignet sind eine orange markierte SOS-Nische oder der geschützte Bereich hinter der Tür eines grün signalisierten Notausgangs.

Bleiben Sie dort, bis Polizei, Tunnelpersonal oder Pannendienst andere Anweisungen gibt. Laufen Sie nicht am Fahrbahnrand in Richtung Portal und versuchen Sie keine Reparatur. Auch ein Reifenwechsel ist im engen Tunnel keine Aufgabe für den Fahrer. Die Bergung wird mit der Tunnelzentrale koordiniert.

Für Pannen auf offener Strecke gilt grundsätzlich, die Stelle mit einem Warndreieck abzusichern. Im Tunnel darf dieser Schritt jedoch nie dazu führen, dass Sie ungeschützt eine befahrene Spur betreten. Die tunnelbezogene Sofortanweisung von ASTRA und TCS stellt Warnblinker, sicheres Abstellen, das Verlassen des Fahrzeugs und den Gang zur SOS-Station in den Vordergrund. Ihre eigene Sicherheit geht vor.

Panne oder Brand? Dieser Unterschied rettet Leben

Rauch, Flammen, starker Brandgeruch oder ungewöhnliche Hitze verändern die Lage sofort. Brennt das eigene Fahrzeug und kann es ohne Wenden oder Rückwärtsfahren noch aus dem Tunnel bewegt werden, empfiehlt das ASTRA, hinauszufahren. Ist das nicht möglich, stellen Sie es rechts ab, schalten den Motor aus und lassen den Schlüssel stecken beziehungsweise die Fernbedienung im Auto. Das erleichtert den Einsatzkräften später das Bewegen des Fahrzeugs.

Bei Feuer dürfen Sie niemals in einer SOS-Nische bleiben. Eine Nische ist eine Notrufstelle, aber kein sicherer Schutzraum vor Rauch. Melden Sie das Feuer, sofern die Station ohne Verzögerung erreichbar ist, und verlassen Sie den Tunnel über einen grün gekennzeichneten Notausgang. Folgen Sie den Richtungsweisern und bewegen Sie sich vom Rauch weg. Persönliche Gegenstände bleiben zurück.

Einen Löschversuch dürfen Sie nur im Anfangsstadium unternehmen und nur, wenn ein freier Fluchtweg hinter Ihnen bleibt. Breitet sich der Brand aus oder entsteht dichter Rauch, zählt ausschliesslich die Selbstrettung. Rauchgase können schon nach wenigen Atemzügen die Orientierung und Handlungsfähigkeit beeinträchtigen.


Bei Rauch oder Feuer führt der Weg über einen grün markierten Notausgang. Eine SOS-Nische ist kein Schutzraum und darf bei einem Brand nicht als Warteplatz dienen.

Was gilt bei einem Unfall?

Nach einer Kollision gelten zunächst dieselben Schritte: Warnblinker einschalten, das Fahrzeug wenn möglich rechts abstellen, Motor ausschalten und die Unfallstelle melden. Achten Sie zuerst auf die eigene Sicherheit. Helfen Sie Verletzten, ohne sich selbst in den fliessenden Verkehr zu begeben. Die Leitstelle benötigt Informationen über Zahl und Zustand der Betroffenen sowie über blockierte Fahrstreifen.

Die Rettungskarte kann Einsatzkräften bei schweren Unfällen zeigen, wo sich Batterie, Airbags, Gurtstraffer und bei elektrifizierten Fahrzeugen Hochvoltkomponenten befinden. Sie gehört gut erreichbar ins Fahrzeug. Auf einer längeren Reise lohnt sich zudem ein Check von Reifen, Flüssigkeitsständen, Batterie und Beleuchtung. Der redaktionelle Ratgeber «Risikofrei reisen: Die Checkliste fürs Auto» fasst wichtige Vorbereitungen zusammen.

So reagieren andere Verkehrsteilnehmer

Wer an einem Pannenfahrzeug vorbeifährt, bremst kontrolliert, hält Abstand und folgt der Signalisation. Schalten Ampeln vor oder im Tunnel auf Rot, müssen Sie anhalten. Eine gelb blinkende Ampel weist auf ein Ereignis hin und verlangt erhöhte Aufmerksamkeit. Wenden, rückwärts fahren oder eigenmächtig die Spur wechseln verschärft die Gefahr.

Bei einem Stau ohne weitere Gefahr bleiben Sie im Fahrzeug, schalten bei Stillstand den Motor aus, hören den Verkehrsfunk und halten mindestens fünf Meter Abstand zum Fahrzeug vor Ihnen. Dieser Abstand schafft Bewegungsraum und erleichtert Einsatzkräften die Arbeit. Sobald Rauch sichtbar wird oder die Tunnelzentrale zur Evakuierung auffordert, verlassen Sie das Fahrzeug und folgen den Fluchtwegzeichen.

Die beste Pannenhilfe beginnt vor der Fahrt

Eine technische Störung lässt sich nie vollständig ausschliessen. Gute Vorbereitung senkt jedoch das Risiko und verhindert hektisches Suchen. Kontrollieren Sie vor einer längeren Fahrt Reifendruck, Profil, Tankfüllung oder Ladezustand sowie Warnmeldungen. Speichern Sie die Nummer Ihres Pannendienstes. Legen Sie Warnwesten, Telefon und wichtige Medikamente griffbereit ab. Machen Sie sich kurz mit den Symbolen für SOS-Nischen und Notausgänge vertraut.

Im Tunnel selbst bleiben drei Regeln besonders leicht im Gedächtnis: Warnblinker an, Fahrzeug nach rechts, Menschen aus dem Verkehrsraum. Danach übernimmt die Leitstelle die Koordination. Bei Rauch gilt eine noch kürzere Regel: nicht warten, sondern über den Notausgang fliehen. Wer diese Abläufe vorher kennt, gewinnt im Ernstfall jene Sekunden, in denen ruhiges Handeln den grössten Unterschied macht.



Der deutschsprachige Informationsfilm der Bundesanstalt für Strassenwesen zeigt das richtige Verhalten bei Panne, Unfall, Stau und Fahrzeugbrand. Er erklärt zudem, wie Notrufstationen, Fluchtwegzeichen und weitere Sicherheitseinrichtungen im Tunnel genutzt werden. Für Fahrten in der Schweiz sind die im Artikel genannten Vorgaben von ASTRA und TCS massgebend.

Quellen: Bundesamt für Strassen ASTRA, «Panne im Tunnel – was tun?» und «Verhaltensregeln»; Touring Club Schweiz, «Sicher im Tunnel» und «Eine Panne, wie weiter?»; Kantonspolizei Zürich, Kampagne «Sicher durch den Tunnel»; Bundesanstalt für Strassenwesen, Informationsfilm zur Tunnelsicherheit

 

Bildquellen: Titelbild: iStock/ANGHI; Bild 1: iStock/:Bjoern Wylezich; Bild 2: iStock/sergeyryzhov; Bild 3: iStock/Goran Jakus Photography; Bild 4: iStock/Teka77