Ambrì-Piotta tief in den roten Zahlen

Der HC Ambrì-Piotta hat die Saison 2025/26 finanziell erneut mit roten Zahlen abgeschlossen. An der ordentlichen Generalversammlung vom 25. August 2026 präsentierte die HCAP SA einen Verlust von 392’809 Franken. Damit fällt das Minus deutlich höher aus als im Vorjahr. Gleichzeitig versucht der Club, mit Kapitalerhöhungen, einer neuen Unternehmensstrategie und personellen Veränderungen die finanzielle Basis langfristig zu stabilisieren.

Das Geschäftsjahr 2024/25 hatte Ambrì-Piotta noch mit einem Verlust von 94’796 Franken abgeschlossen. Ein Jahr später hat sich das Defizit damit mehr als vervierfacht. Als wesentlichen Grund nennt der Club einen starken Rückgang der Spendeneinnahmen. Diese lagen um mehr als 700’000 Franken tiefer als zuvor.

Nach Angaben der HCAP hängt dies allerdings auch mit einer Verschiebung innerhalb der finanziellen Unterstützung zusammen. Verschiedene Geldgeber investierten ihre Mittel verstärkt in die während der vergangenen Saison durchgeführten Kapitalerhöhungen. Dadurch konnte das Eigenkapital der HCAP SA um 2,22 Millionen Franken gestärkt werden.

Gesamte HCAP-Gruppe mit noch höherem Minus

An der Generalversammlung wurde den Aktionärinnen und Aktionären auch die konsolidierte Rechnung der gesamten HCAP-Gruppe präsentiert. Dazu gehören Beteiligungen wie die Valascia Immobiliare SA.

Auf Gruppenebene resultierte ein operatives EBITDA von 798’539 Franken. Werden unter anderem Abschreibungen, Zinsen, Steuern und ausserordentliche Ergebnisse berücksichtigt, bleibt unter dem Strich jedoch ein Verlust von 848’093 Franken.

Die Zahlen zeigen damit, dass die wirtschaftliche Situation rund um den Traditionsclub weiterhin anspruchsvoll ist. Der neue Verwaltungsrat arbeitet seit Monaten an einer finanziellen Restrukturierung und führte nach eigenen Angaben intensive Gespräche mit verschiedenen Gläubigern und Banken. Diese Gespräche seien inzwischen zur Zufriedenheit der Beteiligten abgeschlossen worden.

Spielberechtigung trotz «rotem Punkt»

Sportlich wichtig ist, dass Ambrì-Piotta die Spielberechtigung für die kommende National-League-Saison erhalten hat. Allerdings wurde diese mit einem sogenannten «roten Punkt» erteilt. Damit sind Auflagen verbunden, welche die Verantwortlichen in den kommenden Monaten erfüllen müssen.

Der traditionsreiche Club aus der Leventina sorgt regelmässig auch ausserhalb des Tessins für grosse Aufmerksamkeit. Wie emotional das Umfeld des Schweizer Eishockeys sein kann, zeigte unter anderem eine Auseinandersetzung rund um ein Spiel zwischen Biel und Ambrì-Piotta. Für den Club bleibt jedoch entscheidend, neben der sportlichen Entwicklung auch seine wirtschaftliche Basis nachhaltig zu stabilisieren.

Der Club macht keinen Hehl daraus, dass kurzfristig weiterhin erhebliche Herausforderungen bestehen. Gleichzeitig sieht Präsident Davide Mottis Möglichkeiten, die HCAP mittel- und langfristig finanziell nachhaltiger aufzustellen.

Neuer CEO übernimmt im Oktober

Auch organisatorisch verändert sich Ambrì-Piotta. Ivan Fanconi wird am 1. Oktober 2026 sein Amt als neuer CEO antreten. Fanconi kommt vom HC Davos, wo er bisher als CFO und COO tätig ist. Er soll insbesondere bei der Sanierung und weiteren Professionalisierung des Unternehmens eine zentrale Rolle übernehmen.

Zudem wurde Beat Musch neu in den Verwaltungsrat gewählt. Mit ihm soll auch die Verbindung zur Deutschschweiz und zur langjährigen Unterstützergemeinschaft des Clubs gestärkt werden.

Die erste Kapitalerhöhung im Frühjahr erhöhte das Aktienkapital bereits von rund 5,60 auf 5,91 Millionen Franken. Weitere Schritte sind vorgesehen. Für Ambrì-Piotta beginnt die neue Saison damit nicht nur auf dem Eis mit grossen Aufgaben: Die nachhaltige Stabilisierung der Finanzen dürfte mindestens ebenso entscheidend für die Zukunft des traditionsreichen Leventiner Clubs werden.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
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